lifeSandrasen: Sutschketal

Sutschketal

Nicht weit entfernt von Königs Wusterhausen liegt das Sutschketal. Bereits seit 1938 wurden das Sutschketal und der sich anschließende Krumme See wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und der artenreichen Fauna und Flora unter Landschaftsschutz gestellt. Später erfolgte außerdem die Sicherung als Naturschutz- und FFH-Gebiet.

Das Gebiet auf einen Blick

Lage: Landkreis Dahme-Spreewald
Natura-2000-Gebiet: Sutschketal
Größe: 23 Hektar
Lebensräume: LRT *6120 Trockene, kalkreiche Sandrasen
Arten: Ähriger Ehrenpreis, Kartäuser-Nelke, Steppen-Lieschgras


Das Sutschketal liegt in einer eiszeitlich geprägten, schmalen glazialen Rinne. Wo in den 1950er Jahren weitgehend offene bis lichte Hanglagen waren sind heute Eichen-Kiefern-Wälder. An den Saum- und Hangbereichen waren, bzw. sind punktuell noch heute,  wertvolle Trockenrasen ausgebildet.

Entstanden ist das Sutschketal vor etwa 15.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Während das einige hundert Meter dicke Eis langsam abtaute, spülte das Schmelzwasser unter dem Eis eine Rinne in die sandigen Grundmoränenplatten. Diese Rinne füllte sich mit Wasser und ein See entstand, zu dem einst auch das Sutschketal gehörte. Im Laufe der Zeit verlandete jedoch das Gebiet und lediglich der Krumme See und der Sutschkeweiher im Süden blieben übrig. So ist heute das etwa zwei Kilometer lange und bis zu 250 Meter breite Tal in die etwa zehn bis fünfzehn Meter höher liegenden Acker- und Siedlungsflächen der Umgebung eingebettet.

Frühe Nutzung

Das Umland des Gebiets wurde schon früh vom Menschen besiedelt und geprägt. Bereits in der Steinzeit vor etwa 9.600 Jahren sollen sich die ersten Menschen hier niedergelassen haben. Vom Mittelalter bis Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich das Tal jedoch stark gewandelt. Damals war es ein weitgehend offenes Wiesental, wie es auch noch auf alten Postkarten und Luftbildern gut zu erkennen ist. Die Talhänge waren unbewaldet oder nur locker mit Bäumen bewachsen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts weidete das Vieh der Krummenseer und Groß Bestener Bauern sowohl auf dem feuchten Talboden als auch an den trockenen Talhängen. Später wurde die Beweidung aufgegeben und die Wiesen wurden gemäht. Nach und nach verschwanden die Offenflächen durch natürliche Sukzession oder wurden mit Kiefern aufgeforstet. Das ehemals offene Sutschketal verwandelte sich innerhalb eines halben Jahrhunderts in eine Waldlandschaft.

Vielfältige Lebensräume

Das Sutschketal zeichnet sich besonders durch seine hohe Strukturvielfalt aus. Durch den kleinräumigen Wechsel im Substrat, Relief und den hydrologischen Bedingungen entstand ein Mosaik aus eng vernetzten Biotopen. Der Botaniker, Pflanzensoziologe, Mykologe und Naturschützer Adolf Straus beschrieb es so: „Die Vegetation […] ist derartig abwechslungsreich, dass die Durchwanderung für biologische Lehrexkursionen wie selten geeignet ist.“
Das feuchte Tal ist durch Erlenbruchwald, Moore und Feuchtwiesen geprägt. Besonders die Feuchtwiesen konnten sich nur durch den Pflegeeinsatz des NABU Dahmeland erhalten. Hier gedeihen Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi) und Pfeifengras (Molinia caerulea). Auch Moorfrösche und Kraniche fühlen sich hier wohl. Besonders schön wird es Ende April, wenn die Wasserfeder (Hottonia palustris) anfängt zu blühen und sich der sumpfige Boden in einen weißen Blütenteppich verwandelt. Auf den trockenen Hängen wachsen Eichen und Kiefern. Dort wo die Hänge noch nicht so stark bewaldet sind, konnte sich Trockenrasen erhalten. Arten wie die Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), das Steppen-Lieschgras (Phleum phleoides) und der Ährige Ehrenpreis (Veronica spicata) fühlen sich auf den sandigen und kalkreichen Böden besonders wohl und können zu ihrer Blütezeit von Juni bis September bewundert werden. Die Trockenrasen beheimaten nicht nur seltene und teilweise gefährdete Pflanzenarten, sondern bieten auch einen Lebensraum für zahlreiche Insektenarten wie Heuschrecken, Schmetterlinge und Wildbienen.

Ausbreitung von Neophyten

Aktuell fallen besonders die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) ins Auge. Auch wenn sie schön aussieht und Honigbienen gerne ihren Nektar naschen, ist sie eine große Gefahr für den Bestand der wertvollen Trockenrasen. Förster nennen sie nicht ohne Grund „Waldpest“. Sie wurde ursprünglich als Zierpflanze für Park- und Gartenanlagen aus Nordamerika eingeführt, doch durch ihre Anspruchslosigkeit hat sie sich schnell verbreitet und dringt immer weiter in die Offenlandbiotope vor. Trockenrasen, die auf offene und sonnige Stellen angewiesen sind, werden dadurch bedrängt und gefährdet. Um diese wichtigen und artenreichen Biotope langfristig zu erhalten und zu fördern, ist die Entfernung der Spätblühenden Traubenkirschen sehr wichtig. Fällt man sie jedoch und bleibt der Wurzelstock im Boden, treibt sie wieder aus. Da die Entfernung des Wurzelstocks sehr aufwendig ist, hat sich die Methode des sogenannten Ringelns durchgesetzt: Mit einem Schälmesser wird ein ca. 30 Zentimeter breiter Abschnitt der Rinde entfernt. So wird der Wasser- und Nährstofftransport unterbrochen und der Baum stirbt ab.

Maßnahmen zum Erhalt

Von 2013 bis 2019 wurden durch das LIFE-Sandrasen-Team an den Hängen des Sutschketals auf 14 Hektar Spätblühende Traubenkirschen geringelt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Zur Unterstützung der vorhandenen Trockenrasengesellschaften wurden im Herbst 2018 sowie im Frühjahr 2019 mehrere standorttypische Pflanzenarten auf den Flächen ausgebracht. Im Rahmen von „LIFE Trockenrasen“ und durch den NABU Dahmeland werden diese Flächen weiterhin gepflegt und betreut.
Außerdem wurden die Wasserstände des Krummen Sees stabilisiert: Ein Torfdamm hält das Grund- und Regenwasser im Sutschketal zurück und verringert den Nährstoffeintrag. Um das Sutschketal für Besucher erlebbar zu machen, hat das LIFE-Projekt einen neuen, 30 Meter langen Steg errichtet. So können Wanderer trockenen Fußes das Sutschketal erkunden.

Wandertipp

Auf einer 10 Kilometer langen Rundwanderung lassen sich die Naturschätze des Sutschketals entdecken.
Sutschketal-Wanderung

Das Sutschketal 1953 und heute.
Anfang des 20. Jahrhunderts war das Sutschketal noch ein offenes Wiesental.
Bläuling an Kuckuckslichtnelke.
Blühende Wasserfedern.
Alteichen im Sutschketal.
Kraniche fühlen sich im feuchten Tal sehr wohl.
Geringelte Spatblühende Traubenkirschen.
Ein Torfdamm stabilisiert die Wasserstände im Tal.
Der neue Steg wurde von LIFE Sandrasen errichtet.
 

Das Projekt LIFE Trockenrasen

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg realisiert gemeinsam mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe von 2019 bis 2026 das Projekt "LIFE Trockenrasen". Mit dem Projekt werden wertvolle Trockenlebensräume im Land Brandenburg geschützt, erhalten und wiederhergestellt.

Ansprechpartner:
Janine Ruffer (Projektleitung)
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