Life Trockenrasen: Prämer Berge

Prämer Berge

Nordwestlich von Friesack, inmitten des Naturparks Westhavelland, befindet sich das Projektgebiet Prämer Berge. Sie sind ein etwa ein Kilometer langer Höhenzug, der sich durch die flache Niederungslandschaft des Rhinluchs erstreckt.

Auf einen Blick

Lage: Landkreis Havelland
Natura-2000-Gebiet: Unteres Rhinluch - Dreetzer See
Größe: 5 Hektar
Lebensräume: LRT *6120 Trockene, kalkreiche Sandrasen
Arten: Färber-Meier, Astlose Graslilie, Kartäuser-Nelke


Das Gebiet ist ein gutes Beispiel für die besondere Strukturvielfalt Brandenburgs. Während rund um die Prämer Berge das Rhinluch mit tief gelegenen nassen, Moorböden liegt, sind die Prämer Berge selbst eine trockene Binnenlanddüne, die ideale Bedingungen für Trockenrasen bietet.

Das Gebiet entstand postglazial durch Windablagerungen: Nach der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, wurden sehr feine Sande angeweht und abgelagert– sogenannte Flugsandfelder -. Somit findet man in den Prämer Bergen nährstoffarme Dünensande, die von einem warmen Mikroklima und Trockenheit geprägt sind.

 

Nutzung

Im 20. Jahrhundert  wurden zwei Drittel der Prämer Berge mit Kiefern aufgeforstet. Dadurch verkleinerten sich die Trockenrasenflächen massiv und ein Teil der artenreichen Flora ging verloren. Die in die Prämer Berge in den letzten Jahren eingewanderten neophytischen Gehölze Spätblühende Traubenkirsche und Robinie bedrohen die letzten Trockenrasenreste zusätzlich.
Die moorigen Böden des Rhinluchs rund um die Prämer Berge werden überwiegend beweidet aber auch intensiv landwirtschaftlich genutzt.

 

Rückzugsgebiet für seltene Arten

In dieser stark landwirtschaftlich geprägten Region bilden die knapp zehn Meter hohen Prämer Berge einen wichtigen Rückzugsort für Tiere und Pflanzen – besonders für die trockenheitsliebenden Spezialisten. Aufgrund seiner großen Artenvielfalt wurde es bereits 1967 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Zauneidechse, Heidelerche, Neuntöter, Kartäuser-Nelke, Färber-Meier und die Ästige Graslilie sind nur einige der Arten, die hier vorkommen. Neben Trockenrasen prägen auch lichte Trauben- und Stieleichenwälder die Prämer Berge. An ihren wärmeexponierten Rändern finden sich noch Reste von Trockenrasenarten, die wohl mal den gesamten Dünenzug bedeckten. Besonders die Heidelerche fühlt sich in den Prämer Bergen wohl, denn sie braucht die kargen Offenflächen, um Insekten zu fangen. Ihren wohlklingenden Gesang verbreitet sie hingegen gerne auf einem Baum sitzend, sodass ihr die hier stehenden Eichen zugutekommen.

 

Maßnahmen

Im Rahmen von LIFE Trockenrasen sollen die offenen Trockenlebensräume behutsam in eine extensive Nutzung genommen werden. Neben der regelmäßigen Mahd einer artenreichen Waldwiese in den letzten zwei Jahren sollen ab 2022 auf mehreren Teilflächen wieder Schafe weiden. Diese traditionelle Nutzung verhindert ein Vergrasen und Zuwachsen der Trockenrasen. Die Tiere transportieren als lebende Vektoren Samen im Fell von Fläche zu Fläche, treten diese durch ihre Hufe in den Boden und fördern so die Verbreitung der Trockenrasenpflanzen.  
Einige der vorkommenden Pflanzenarten sind aber mittlerweile so selten geworden, dass LIFE Trockenrasen ihnen mit Wiederansiedlungsmaßnahmen unter die Blätter greift. Dafür werden Samen aus dem Gebiet gesammelt, im Botanischen Garten der Universität Potsdam angezogen und wieder im Gebiet ausgepflanzt. Denn die Vorkommen der besonders seltenen Pflanzen sind teilweise so klein und isoliert, dass eine Ausbreitung von allein nicht mehr stattfindet.

Neben der Beweidung und den Wiederansiedlungsmaßnahmen sind weitere Maßnahmen denkbar: Zurückdrängen der eingewanderten Neophyten oder Auflichtungen an den Waldrändern z.B. könnten die Trockenrasenarten noch weiter fördern und die Lebensräume wieder vergrößern.

 

Ausflugstipp

Erleben können Sie die Prämer Berge mit einem kurzen Abstecher auf der Von Bredow Radtour, welche auf 58 Kilometern rund um Friesack durch das Havelland führt. Sehenswert sind auch das Schloss Kleßen sowie das dortige Spielzeugmuseum.

 

Das Projekt LIFE Trockenrasen

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg realisiert gemeinsam mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe von 2019 bis 2026 das Projekt "LIFE Trockenrasen". Mit dem Projekt werden wertvolle Trockenlebensräume im Land Brandenburg geschützt, erhalten und wiederhergestellt.

Ansprechpartnerin:
Janine Ruffer (Projektleitung)
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