lifeSandrasen: Michelsdorfer Mühlberg

Michelsdorfer Mühlberg

Entlang des europäischen Fernwanderweges E11, der von Amsterdam bis nach Litauen führt, liegt das Natura-2000-Gebiet „Michelsdorfer Mühlberg“. Ein etwa 72 Meter hoher Hügelkomplex, der sich in Mühl- und Weinberg unterteilt, entstand hier im Zuge der letzten Eiszeit unmittelbar östlich der Ortslage von Michelsdorf.

Lage: Landkreis Potsdam-Mittelmark
Natura-2000-Gebiet: Michelsdorfer Mühlberg
Größe: 11 Hektar
Lebensräume: LRT *6120 Trockene, kalkreiche Sandrasen
Arten: Berg-Haarstrang, Hügelmeier, Ohrlöffel-Leimkraut, Sand-Tragant


Der Michelsdorfer Mühlberg ist ein exponierter Hügelkomplex mit einer einzigartigen Artenfülle.

Von Wind und Wein

Der Mühlberg ist der nördliche Hügel, auf dessen Kuppe Gebüsche und einzelne Eichen stehen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts befand sich hier auch eine Mühle, die dem Berg seinen Namen gab.
Der südliche Hügel, der Weinberg, wurde zu großen Teilen zur Sandgewinnung abgebaggert. Die Bezeichnung Weinberg deutet es an: Hier wurde früher Wein angebaut - in der Region insbesondere gefördert durch die Zisterzienser. Die damals meist völlig waldfreien Hügel hatten aufgrund ihrer Lage und Exposition ein besonders trockenes und warmes Klima. Dies kam nicht nur dem Weinanbau zugute, sondern auch vielen Trockenrasenarten, die noch heute hier zu finden sind. Die Artenfülle am Michelsdorfer Mühlberg ist einzigartig in der Gemeinde Kloster Lehnin.

Farbenpracht von blaublühend bis rotviolett

An den Hängen leuchten im April Sand-Fingerkraut und Niederliegender Ehrenpreis mit ihren gelben und hellblauen Blüten. Sie werden Ende Mai vom blaublühenden Wiesensalbei abgelöst. Im August färben dann Kartäusernelke und Skabiosen-Flockenblume den sandigen Hügel rotviolett und auf den Sandfluren können neben den zahlreichen Pflanzenarten auch die Blauflügelige Ödlandschrecke und viele andere Insekten entdeckt werden. Weitere charakteristische Pflanzenarten auf Mühl- und Weinberg sind unter anderem Sand-Tragant, Steppen-Lieschgras, Hügelmeier und Berg-Haarstrang. Von diesen typischen Steppenpflanzen, die vielfach auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten stehen, erreichen einige in Brandenburg die Westgrenze ihrer Verbreitung, zum Beispiel der Sand-Tragant. Er ist in ganz Deutschland nicht weiter westlich als in Michelsdorf zu finden.
Damit die Trockenrasen in Michelsdorf nicht verschwinden, wurden bereits 2009 mehrere Bäume und Sträucher entfernt sowie eine Schafbeweidung eingerichtet. Auch in den nächsten Jahren soll dies mit LIFE Trockenrasen fortgesetzt werden.

Leben unter Palmen

Eine Kuriosität sind die auf der Südseite des Weinbergs vorkommenden Yuccas, auch Palmlilien genannt. In den 1920er und 30er Jahren wurden hier Versuchspflanzungen zur Fasergewinnung durchgeführt, um die deutsche Wirtschaft unabhängiger von Rohstoffimporten zu machen. Yuccas stammen ursprünglich aus Mittelamerika. Die Pflanzversuche in Michelsdorf wurden nach einigen Jahren erfolglos eingestellt und sich selbst überlassen. Der bekannte Potsdamer Staudengärtner Karl Foerster bediente sich später an dieser Plantage, um daraus die in der DDR weitverbreitete Yucca-Sorte „Eisbär“ mit fast reinweißen Blüten zu selektieren.

Tipp

Bei einem Spaziergang können sich Interessierte an der Blütenpracht auf dem Michelsdorfer Mühlberg erfreuen und hoffen, dass dieses auf den ersten Blick so trockene und karge botanische Kleinod auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt.

Schafe und Ziegen schützen den Michelsdorfer Mühlberg vor Gehölzzunahme.
Die Mühle des Mühlbergs.
Blühender Trockenrasen.
Der Sand-Tragant hat in Michelsdorf seine westliche Verbreitungsgrenze.
Kartäuser-Nelken färben den Trockenrasen im Sommer violett.
Reste des Versuchsanbaus mit Palmlilien.
Blauflügelige Ödlandschrecke (Foto: T. Pröhl/fokus-natur.de)
 

Das Projekt LIFE Trockenrasen

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg realisiert gemeinsam mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe von 2019 bis 2026 das Projekt "LIFE Trockenrasen". Mit dem Projekt werden wertvolle Trockenlebensräume im Land Brandenburg geschützt, erhalten und wiederhergestellt.

Ansprechpartner:
Janine Ruffer (Projektleitung)
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