lifeSandrasen: Gollenberg

Gollenberg

Im Juli, wenn die Heide blüht, kann die wunderschöne violett blühende Landschaft auf der Kuppe des Gollenbergs im Naturpark Westhavelland bewundert werden. Der Berg befindet sich südwestlich von Stölln im Landkreis Havelland und überragt mit seinen 109 Metern das Umland. Das etwas weniger als 60 Hektar große FFH-Gebiet zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Flora und Fauna aus und ist dadurch sehr bedeutsam für den Naturschutz.  

Das Gebiet auf einem Blick

Lage: Landkreis Havelland
Natura-2000-Gebiet: Gollenberg
Größe: 59 Hektar
Lebensräume: LRT *6120 Trockene, kalkreiche Sandrasen, *6240 Subpannonische Steppentrockenrasen, 4030 Trockene europäische Heiden
Arten: Graue Skabiose, Sandstrohblume, Kartäuser-Nelke


Heute ist der Gollenberg fast vollständig mit Wald bedeckt. Es sind nur noch Reste von Offenlebensräumen mit den artenreichen Trockenrasengesellschaften am Südhang erhalten.

Durch Eis entstanden

Auch der Gollenberg ist wie fast alle Gebiete in Brandenburg während der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren entstanden. Die mächtigen Eisgletscher, die von Norden aus über das Land wanderten, schoben Tonnen von Sand- und Gesteinsmaterial vor sich her und stauchten dieses zusammen. Nach Abschmelzen des Eises blieben diese Stauchendmoränen als kleine Berge zurück.

Lilienthals Flugversuche

Der Gollenberg wurde durch die Flugversuche von Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhundert bekannt. Zu dieser Zeit war der Berg weitgehend unbewaldet, Schafe weideten hier. Nachdem die landwirtschaftliche Nutzung des Berges aufgegeben wurde, wuchsen die Hänge zu oder wurden mit Kiefern aufgeforstet. Lediglich die militärische Nutzung von Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts verhinderte eine Überwucherung der Kuppe, sodass sich dort Trocken- und Sandrasen sowie Heiden erhalten konnten. Heutzutage wird das Gebiet hauptsächlich touristisch genutzt. Eine Lilienthal-Gedenkstätte, das Lilienthal-Centrum Stölln und ein  stillgelegtes Flugzeug, die Lady Agnes, locken jährlich viele Touristen in das Gebiet.

Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten

Während die Flanken des Berges mit Laubmischwäldern und Kiefern bewaldet sind, sind an den oberen Hängen und im Kuppenbereich Restbestände von Heiden, Sand- und Trockenrasen zu finden. Diese besondere Form der Vegetation bietet zahlreichen in Brandenburg gefährdeten und seltenen Arten ein zu Hause. Auf den Wiesen sind beispielsweise Arten wie die Graue Skabiose (Scabiosa canescens), das Steppen-Lieschgras (Phleum phleoides) und die Steppen-Segge (Carex suppina)  zu finden, während auf den Heiden vor allem das Gemeine Heidekraut (Carex vulgaris) und die Heide-Segge (Carex ericetorum) vertreten sind. Diese Vielfalt der Vegetation geht mit einer Vielfalt an Insekten einher. Viele Großschmetterlingsarten, von denen 22 Arten als gefährdet gelten sowie Heuschreckenarten fühlen sich hier zu Hause. Ebenso können auch Zauneidechsen oder Blindschleichen in dem Gebiet entdeckt werden.

Die Sand- und Trockenrasen auf dem Gollenberg wurden in den letzten Jahren mit Schafen und Ziegen einer ortsansässigen Schäferin gepflegt. Durch die Beweidung wird die fortschreitenden Vergrasung und Verbuschung der trockenen und nährstoffarmen Flächen zurückgedrängt. Die schnellwüchsigen Gräser und Gehölze verbreiten sich im Gebiet, überwuchern die konkurrenzschwachen, seltenen Arten und verdrängen sie schlussendlich. Im Februar 2021 wurden durch LIFE Trockenrasen Gehölze entfernt, so dass mehr Licht auf den Boden gelangen kann und die Trockenrasenarten besser wachsen können. Um einem erneuten Zuwachsen entgegen zu wirken, werden auch diese freigestellten Flächen beweidet.

Heide und Heidelerche

Neben zahlreichen Pflanzen und Insekten kommen am Gollenberg auch gefährdete Vogelarten wie die Heidelerche (Lullula arborea) vor. Der sperlingsgroße, recht kleine Vogel fühlt sich in Lebensräumen mit magerer Vegetation und sandigen Böden sehr wohl. Das Besondere ist, dass er nicht wie andere Vögel in Nestern auf Bäumen brütet, sondern seine Nachkommen in ausgepolsterten Bodenmulden unter der trockenen Vegetation behütet. Der kleine Vogel kann anhand seines dunkel- bis hellbraun gestreiften Gefieders sowie an dem wohlklingenden, melancholischen Gesang erkannt werden. Er sitzt gern auf Bäumen und singt oder ruft mit einem weichen „didlüi“.

Tipp

Im Juli, wenn der Trockenrasen und die Heide in voller Blüte stehen, lohnt sich eine Wanderung am Gollenberg besonders. Vielleicht können Sie auch dem Ruf der Heidelerche lauschen? Auch ein Abstecher zum nahegelegenen Otto-Lilienthal-Centrum in Stölln empfiehlt sich.

Buntblühender Trockenrasen am Gollenberg.
Blick vom Gollenberg.
Kartäuser-Nelke.
Aufwachsende Gehölze gefährden die seltenen Trockenrasenarten.
Schafe weiden regelmäßig am Gollenberg.
Lilienthal-Gedenkstein.

Das Projekt LIFE Trockenrasen

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg realisiert gemeinsam mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe von 2019 bis 2026 das Projekt "LIFE Trockenrasen". Mit dem Projekt werden wertvolle Trockenlebensräume im Land Brandenburg geschützt, erhalten und wiederhergestellt.

Ansprechpartner:
Janine Ruffer (Projektleitung)
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