lifeSandrasen: Deetzer Hügel

Königsberg (Deetzer Hügel)

Knapp 60 Meter über NN erhebt sich der Königsberg, südlich der Ortschaft Deetz im Landkreis Potsdam-Mittelmark, über die Landschaft. Entstanden ist der Königsberg während der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren. Mächtige Gletscher schoben sich durch das Land, beim Abschmelzen ließen sie wallartige Aufschüttungen und Kuppen zurück. Drei dieser Endmoränenkuppen bilden heute das Natura-2000-Gebiet „Deetzer Hügel“  - neben dem Königsberg, sind das der Eichelberg bei Deetz, sowie der Wachtelberg nordöstlich von Götz.

Das Gebiet auf einen Blick

Lage: Landkreis Potsdam-Mittelmark
Natura-2000-Gebiet:
Deetzer Hügel
Größe:
33,48 Hektar
Lebensräume:
LRT *6120 (trockene, kalkreiche Sandrasen), LRT *6240 (subpannonische Steppentrockenrasen)
Arten:
Graue Skabiose, Kartäuser-Nelke, Ähriger Ehrenpreis, Liegender Ehrenpreis, Haar-Pfriemengras, Steppen-Lieschgras


Im ganzen Gebiet kommen Reste des kontinentalen Trockenrasens auf exponierten Hangkuppen mit Laubwäldern und -gebüschen sowie Kiefernvorwäldern vor.

Nutzung als Waldweide

Auf den vormals bewaldeten Hügeln kam es nachweislich bereits in der Jungsteinzeit vor ca. 5.000 Jahren zu ersten Rodungen und somit zu Auflichtungen. Die anschließende Nutzung als Waldweide förderte die Entwicklung lichter Wälder, so dass sich Trockenrasen mit den für sie typischen wärmeliebenden Pflanzen ausbreiten konnte. Im Mittelalter weideten Schafe und Ziegen auf den nährstoffarmen Sandböden, was das Ausbreiten der Trockenrasenflächen weiter förderte.
Heute sind die Weidetiere längst verschwunden und Königs-, Wachtel- und Eichelberg leider größtenteils verbuscht und aufgeforstet.

Blütenparadies

Dennoch finden sich in allen Teilgebieten Reste kontinentaler Trockenrasen (Lebensraumtypen *6120 und *6240). Botanisch besonders artenreich ist der Südhang des Königsbergs mit typischen Steppenarten wie Graue Skabiose, Liegender Ehrenpreis, Ähriger Ehrenpreis, Haar-Pfriemengras und Berg-Haarstrang, um nur ein paar zu nennen.

Wildbienen am Königsberg

Im zeitigen Frühjahr, sobald die ersten Sonnenstrahlen den sandigen Boden etwas erwärmt haben, trifft man am Königsberg auf zahlreiche Wildbienen. Die gemeine Seidenbiene, die graue Sandbiene und viele andere Arten suchen hier nach Nistmöglichkeiten. Rund 75% der nestbauenden Bienen bauen ihre Nester im Boden. Gleich nach der Paarung beginnt das Weibchen mit dem Nestbau: Mit seinen Mandibeln gräbt es bis zu 60cm tiefe Gänge in den Boden und kleidet sie mit körpereigenen Sekreten aus. Ist das Nest fertig, werden Nektar und Pollen gesammelt und abgelegt. Sie dienen dem Ei bzw. der Larve als Nahrungsgrundlage. Das Weibchen stirbt nach getaner Arbeit nach vier bis sechs Wochen. Der Nachwuchs schlüpft im folgenden Frühjahr und der Wildbienenzyklus beginnt von neuem.

Gefährdungen & Maßnahmen

Nur durch den Einsatz des NABU Potsdam, der die letzten vorkommenden Trockenrasen am Königsberg seit 1995 regelmäßig mäht, konnte das Einwandern von Gehölzen verhindert werden. Vielen Dank für diesen treuen Einsatz! Dennoch gefährden Nährstoffe, welche von den angrenzenden Äckern eingetragen werden, die Pflanzenvielfalt: Graue Skabiose, Haar-Pfriemengras & Co. wachsen nur auf nährstoffarmen Böden. Um den Nährstoffeintrag zu verringern wurde am Südrand ein Brachestreifen angelegt.
Weitere Maßnahmen sind in Planung.

Tipp

Wer sich mehr für die heimischen Wildbienen interessiert, sei ein Besuch im Naturkundemuseum Potsdam nahe gelegt: Noch bis Ende des Jahres ist dort die Fotoausstellung „Wildbienen Brandenburgs“ zu besichtigen. Bitte informieren Sie sich über die aktuellen Öffnungszeiten.

Ähriger Ehrenpreis
Haar-Pfriemengras
Blütenvielfalt am Königsberg.
Graue Sandbiene (Foto: Wikimedia)
Ein Brachestreifen schützt den Trockenrasen vor Nährstoffeintrag.
 

Das Projekt LIFE Trockenrasen

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg realisiert gemeinsam mit dem Botanischen Garten der Universität Potsdam und der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe von 2019 bis 2026 das Projekt "LIFE Trockenrasen". Mit dem Projekt werden wertvolle Trockenlebensräume im Land Brandenburg geschützt, erhalten und wiederhergestellt.

Ansprechpartner:
Janine Ruffer (Projektleitung)
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